Ich rieche was, was Du nicht siehst…

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Hahnenkampf See them fight!

Im Laufe der letzten Tage und Wochen hatten sich bei uns einige Fragen angesammelt, auf die wir keine Antwort fanden. Weil das auf Dauer frustrierend ist, haben wir uns heute mal zwei lokale Guides gegoennt, die nicht nur mit uns auf Schleichwegen ueber’s Land gebraust sind und uns die Sehenswuerdigkeiten der Umgebung von Hue gezeigt haben, sondern die auch gut genug Englisch gesprochen haben, um unsere Fragen zu beantworten.

Zum Beispiel fragen wir uns schon seit HCMC, warum die Vietnamesen immer so einen komischen Mundschutz tragen – vorwiegend beim Mopedfahren, aber auch beim Arbeiten am Strassenrand. Unsere Theorien waren:

– Theorie A: Um sich vor den Abgasen und allgemeinen Luftverschmutzung zu schuetzen

– Theorie B: Damit sie nicht braun werden.

Theorie A konnte ich selbst mal ausprobieren, als auf dem Mekomgdelta unser Bootsmotor kaputt ging und wir ca. eine Stunde lang von einem anderen Boot abgeschleppt wurden. Wir sassen in der ersten Reihe – also direkt hinter dem Auspuff – und ich legte mir ein T-Shirt ueber Nase und Mund, um den Gestank und die Gase abzuschwaechen.

Fuer Theorie B spricht der Fakt, dass es in den meisten Drogerien u.a. Laeden “Whitening Lotion” zu kaufen gibt, also Bleichungscreme! Ausserdem ziehen einige Vietnamesinnen auch bei groesster Hitze langaermelige Handschuehe an. Schon witzig, wenn man bedenkt, dass die Leute bei uns ins Solarium rennen und Braeunungscremes kaufen…

Als ich also heute meinen Mopedfahrer Minh fragte, warum er nach 4 Stunden “ungeschuetzter” Fahrt ploetzlich einen Mundschutz anlegte, meinte er:

“Ach die Abgase und der Gestank stoeren mich gar nicht so sehr. Wir kommen gleich an einem Dorf vorbei, in dem Bekannte von mir leben. Ich will nicht, dass die mich erkennen.”

???

“Naja, wenn sie mich erkennen, muss ich anhalten, mit ihnen reden (!) und etwas mit ihnen trinken. Und manchmal wollen sie auch Geld von mir oder dass ich ihnen etwas kaufe. Da fahre ich doch lieber unerkannt vorbei.”

So ist das also!
Scheinbar hat jeder ueberall irgendwelche Verwandten sitzen, von denen er nicht gesehen werden moechte… Daher der Ausdruck “Die kann ich nicht riechen — ” ??

Die besagte Familie war uebrigens relativ arm, sie besitzt kein eigenes Land und so stehen ihre Haeuser inmitten von Graebern, also quasi auf dem Friedhof. Man muss allerdings dazu sagen, dass diese Friedhoefe und Grabfelder sich manchmal kilometerweit hinziehen. Im Zug neulich sind wir mehrere Minuten lang am gleichen Graeberfeld vorbeigefahren.

Ansonsten haben wir sehr spannende Sachen gesehen – eine sogenannte japanische Bruecke, ueberdacht und komplett aus Holz, Reisbauern bei der Arbeit und einen Entenfarmer, einen Hahnenkampf in einem kleinen Dorf, zwei uralte Kaiser-Grabstaetten, eine Pagode, in deren Innerem auf jedem Niveau ein Buddha sitzt (die allerdings nur zweimal im Jahr besichtigt werden koennen).

Wir wissen jetzt, dass Kuehe nicht zum Milchliefern sondern fuer’s Fleisch gehalten werden, wie alt Vietnamesen im Durchschnitt werden und wann sie heiraten, wie die Schulpflicht aussieht und wieviel man dafuer bezahlen muss, wie es der Kaiser Tu Duc mit den Konkubinen hielt und dass er seine eigene selbstkritische Grabrede schrieb, was der Durchschnitts-Vietnamese von Ho Chi Minh und der Partei denkt usw. usf.
Sehr sehr interessant dieser ausgedehnte Vormittag!

Viele der o.g. Staetten haetten wir allein auf’m Moped nie gefunden. Und ausserdem konnte Nikolaus sich so mal ausruhen und seinen Guide Tuu ebenfalls mit unseren Fragen bombardieren. Fragt Nikolaus selbt, was Tuu von Menschen haelt, die sich den kleinen Fingernagel lang wachsen lassen oder was er von dem Brauch haelt, 5 Spatzen die Freiheit zu schenken…  :-)

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4 Responses to “Ich rieche was, was Du nicht siehst…”

  1. bernd Says:

    nikolausius,
    nich oeffentliche mail von mir auf deiner 8ter adresse!
    bernd

  2. Sonia&David Says:

    Salut, petit bonjour de berlin sous la neige…on commence à comprendre ce que tu voulais dire par “hiver”! Bonne fin de voyage, prévois une soirée photo chez nous à ton retour (et tiens nous au courant pour l’aéroport)!A bientôt et bonnes aventures

  3. Mutti Says:

    Hi, Maja, danke für deine immer weider soooo interessanten Berichte, ich hab schon vielen (Beatrix!) davon erzählt!
    Liest du auch richtige mails??? Alex hat ´ne Frage! Gruß, Mu+Va

  4. nikolaus Says:

    die milch macht’s! hier nemmlich ziemlich teuer. wie maja schon sagte: kuehe sind fleischtiere hier, die trinkmilch wird aus daenemark oder neuseeland importiert, erklaert thu. seitdem weiss ich auch, warum mein taegich fruehstuecksmuesli in hue, auf das ich nach 4 wochen asiapfanne jeden tag und immer wieder einen derben HEISSSSSHUNGER hatte, mit SO WENIG MILCH WIE IN EINEM MARSRIEGEL bekommen und beim nachbestellen immer eine nur DAUMENDICK GEFUELLTE TASSE erhalten habe…

    was den langen nagel am kleinen finger bei jungen maennern angeht: ich hab das zum ersten mal auf indonesien vor 10 jahren gesehen und gespeichert, dass das religioese hintergruende hat. jetzt weiss ich’s besser. thu sagt: junge kerls mit langen fingernaegeln sind einfach nur FAUL. wer kann schon mit so einem klimpernagel richtig zupacken! – ?? – wenig andaechtig, die theorie, aber irgendwie einleuchtend…

    weiss es irgendjemand besser? – sonst speicher ich das mal so fuer die naechsten 10 jahre!

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